Umsonst und Draussen!

Wutzrock-Festival-2007-Presse-20Sei auch dieses Jahr wieder dabei, wenn Gegensätze aufeinander treffen und den Staub in der Luft in bunte Kristalle verwandeln. Bunt, laut, leise, jung, alt, antifaschistisch und nicht parteipolitisch, professionell und trotzdem unkommerziell
– das ist Wutzrock!

Das Wutzrock-Festival wurde 1979 ins Leben gerufen, um die Forderung nach einem selbstverwaltetem Jugendzentrum im Hamburger Osten zu unterstützen. Der Plan ging auf: Bald danach bekam der Jugendzentrumsverein "Unser Haus" ein eigenes Gebäude und etablierte das Café Flop als zentralen Anlaufpunkt für Bergedorfer Jugendliche.

Das sommerliche Konzertevent Wutzrock mauserte sich zu einer lokalen Institution und einem der ältesten Festivals Norddeutschlands. Mittlerweile wurde von den langjährig engagierten Wutzrockern ein gemeinnütziger Verein (Galactic Entertainment e.V.) gegründet, der die Trägerschaft für Wutzrock übernommen hat. Die Organisatoren und alle HelferInnen arbeiten ehrenamtlich.

Umsonst und draußen heißt die Devise, die jedes Jahr an drei Tagen viele Tausend Menschen zur Festival-Wiese lockt. Die Vielfalt der Musik, die attraktive Lage am Eichbaumsee und der Doven Elbe, Kleinkunst und Kinderfest sind nur ein Teil von dem, was den Charme dieses Festivals ausmacht.

Auch wenn man sich bemüht, man kann Wutzrock nicht in Worte fassen, man muss einfach selbst erleben, was ein geiles, nicht kommerzielles, alternatives Open Air ist.

 

 

Stellungnahme zur Vergewaltigung auf Wutzrock

2009 ist nach dem Besuch unseres Festivals - in der Nacht von Samstag auf Sonntag - eine junge Festivalbesucherin vergewaltigt worden. Die Frau war so mutig und erstattete Anzeige. Wir hoffen sehr, dass sie in ihrem Alltag die Form von Unterstützung hat, die sie braucht, um die erlittene Gewalt und das traumatische Geschehen zu verarbeiten und eine Familie und Freunde, die ihr dabei zur Seite stehen.

Aus der Berichterstattung und öffentlichen Diskussion nach der Tat haben wir uns bewusst heraus gehalten. Ihr wisst alle, wie schwierig es ist, über eine Vergewaltigung zu berichten ohne die Persönlichkeitsrechte der betroffenen Menschen zu verletzten. In diesem Fall wurden überwiegend die Fakten zum Geschehen dargestellt, die nützlich sind, um den Täter zu ermitteln. Wutzrock war der öffentliche Ort, an dem dieser Täter die Gelegenheit nutzte, um einer jungen Frau Gewalt anzutun. Ohne Einwilligung des Opfers muss auch nicht mehr über das Geschehen berichtet werden. Presse und Medien sollen die Öffentlichkeit informieren und im Interesse der Opfer für das Thema sensibilisieren. D. h. mithelfen, dass Opfer ein Recht auf Unterstützung und Hilfe bekommen, Vergewaltigung als ein Unrecht begriffen wird und auch öffentlich als solches sanktioniert werden muss. Für „Sensationsbedürfnisse“ gibt es hier keinen Platz.

Die Tat löste bei uns Bestürzung und Wut aus und wir brauchten eine Weile, um in der Gruppe offen über das Thema zu reden. Vergewaltigung ist kein Thema, dem man sich gerne zuwendet. Wir mussten uns vor Augen führen, dass diese Tat nicht verhindert werden konnte, obwohl so viele Menschen auf dem Festivalgelände übernachteten und unsere Sicherheitscrew wie immer auch nachts unterwegs war. Mit Blick auf die junge Frau, die mit diesem Geschehen leben muss, ist dies nur schwer auszuhalten. Und diese Vergewaltigung ist – obwohl ein Einzelfall - leider keine Ausnahme. Sie hätte sich in jeder anderen Stadt, auf jedem anderen Festival, nach dem Kneipenbesuch usw. abspielen können. Vergewaltigungen finden jeden Tag an jedem Ort statt. Jährlich werden bundesweit etwa 12.000 – 13.000 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung angezeigt. Die Dunkelziffer wird auf das 10- bis 20fache geschätzt. Für Hamburg heißt das, errechnet vom Frauennotruf für 2008, dass es pro Tag 6 – 11 schwere sexuelle Übergriffe in dieser Stadt gab.

Ängste vor dem Täter, Unkenntnis über die rechtliche Lage, die zusätzliche Belastung durch das Strafverfahren, Scham und die Angst, man glaube ihr nicht, usw. sind Gründe, warum so viele Opfer keine Anzeige erstatten. Und diese Gründe sind sehr gut nachvollziehbar: Obwohl Vergewaltigungen in der Öffentlichkeit in aller Deutlichkeit verurteilt werden - ein Umstand, der vor allem der jahrelangen konsequenten und engagierten Öffentlichkeitsarbeit von Beratungsstellen und Opferinitiativen zu verdanken ist -  bestimmen heute noch viele opferfeindliche Vorurteile und falsche Vorstellungen über Sexualität und Gewalt die Diskussion. Jede/r von uns hat z. B. diese Sätze irgendwann schon mal gehört: „Frauen provozieren eine Vergewaltigung durch Kleidung (der berühmte Minirock!) oder durch ihr Verhalten“ oder „Wenn Frauen einen Mann beschuldigen, lügen sie und wollen sich nur an ihm rächen“ oder „Frauen wollen vergewaltigt werden, sonst würden sie sich wehren“ etc. Solche Klischees, die dem Opfer vorwerfen, eine Mitverantwortung an der Gewalttat zur tragen, verharmlosen die Tat und demütigen und beschämen die Opfer erneut. Eine vergewaltigte Frau kommt dabei in die paradoxe Situation, sich für etwas rechtfertigen zu müssen, wofür sie keine Verantwortung trägt.

DENN:
* Vergewaltigungen werden in der überwiegenden Mehrzahl von männlichen Tätern an weiblichen Opfern verübt.
* Vergewaltigung ist die extremste Form sexualisierter Gewalt, bei der Sexualität als Mittel zur Machtdemonstration, Demütigung und Unterwerfung von Frauen und Mädchen eingesetzt wird. Es geht dabei nicht um sexuelle Bedürfnisse, sondern um aggressiv motivierte Taten, die Frauen erniedrigen sollen. Frauen und Mädchen erleben eine Vergewaltigung als massiven Angriff auf ihre psychische und physische Integrität (d.h. auf ihre gesamte Persönlichkeit), als existenzielle Bedrohung und nicht als sexuellen Akt.
* Jedes Mädchen und jede Frau unabhängig von ihrem Alter, ihrem Aussehen, ihrer Kleidung, Nationalität oder Religion kann Opfer einer Vergewaltigung werden. Es gibt kein „typisches Opferverhalten“ - weder vor, während noch nach der Tat. Es gibt kein Verhalten von Mädchen und Frauen, das eine Vergewaltigung rechtfertigen könnte. Es gibt auch kein Verhalten, das eine Vergewaltigung ausschließen kann.
* Das Verhalten einer Frau nach einer Vergewaltigung lässt keine Rückschlüsse auf ihre Glaubwürdigkeit zu. Jede Frau reagiert individuell. Manche sind völlig verzweifelt und aufgelöst, andere wirken ruhig und gelassen oder aggressiv. Die wenigsten Frauen reden über die Vergewaltigung. Scham und Angst vor Schuldzuweisungen hindern Frauen daran, sich nahe stehenden oder fremden Personen anzuvertrauen oder unmittelbar nach der Tat eine Anzeige zu erstatten.
* Eine Vergewaltigung erfolgt immer gegen den Willen einer Frau. Jeder Mensch hat ein Recht darauf, nein zu sagen. Egal, in welcher Situation oder zu welchem Zeitpunkt. Auch wenn eine Frau zuvor den Täter geküsst hat oder eine sexuelle Beziehung zu ihm hat oder hatte, hat sie jederzeit das Recht, Nein zu sagen. Bei Vergewaltigungen wird dieses Recht von Mädchen und Frauen übergangen. Damit liegt die Verantwortung immer ganz allein beim Täter.

Wir finden, es wird Zeit, dass wir unseren Beitrag leisten, für das Thema Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe zu sensibilisieren. Wir wollen euch ermutigen, über das Thema zu diskutieren. Wir können Vergewaltigungen nicht verhindern, aber wir können uns auf Wutzrock frühzeitig in Situationen einmischen, die wir als „übergriffig“ erleben. Sexuelle Belästigungen und Übergriffe von Männern sowie abweisende Reaktionen von Frauen sind keine Flirtrituale, sondern Angriffe auf die persönliche Integrität der betroffenen Frau!

Aus diesem Grund fordern wir uns und euch auf:


-       Schaut genauer hin!
-       Sprecht die betroffene Frau an!
-       Hört ihr zu!
-       Bietet ihr ggf. Hilfe an!
-       Meldet euch beim Infozelt
              oder sprecht unsere Secus an, die können Hilfe leisten
              oder Hilfe holen!
-       Geht nicht alleine, bleibt in eurer Clique, mit euren FreundInnen zusammen!

Wir verstehen uns als ein Festival, das sich gegen Sexismus, Rassismus und Faschismus stellt. Das sollen keine hohlen Phrasen sein und unsere Diskussionen in der WR Gruppe wird weitergehen.

Es wäre toll, wenn auch ihr euch daran beteiligt und uns schreibt, euch am Infozelt meldet oder auch mal zur WR Sitzung kommt.
 

Wie finanziert sich ein kostenloses Festival?

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  1. Keine Personalkosten!
  2. Da alle Helfer und Organisatoren mit viel Liebe und Idealismus ehrenamtlich tätig sind.
  3. Der Getränkeverkauf in eigener Regie (aus diesem Grund sind Fremdgetränke auch nicht erlaubt)
  4. Händler mit ihren Standmieten und Sponsoren, denen wir anbieten auf dem Gelände Werbung anzubringen.
  5. Die Künstler, die diese Idee unterstützen und für Spesen oder einen Bruchteil ihrer Gage auftreten.
  6. Firmen die für ihre Sachen und Arbeit weniger Geld nehmen als sie es sonst tun.